„Früh mit den Kindern über Sexualität sprechen“

Von Bigna Fink

Sexuelle Aufklärung heißt heute auch, das Internet kompetent nutzen zu können, wird im Gespräch mit dem Heilbronner Sexualpädagogen Andreas Baur deutlich.

Andreas Baur berät seit rund zehn Jahren Schüler aus der Region Heilbronn zu Liebe und Sex. Die Mediennutzung spielt dabei eine zunehmend einflussfreiche Rolle. Foto: Heike Kinkopf

Zu Andreas Baur und seinen Kolleginnen in die Pro-Familia-Beratungsstelle kommen Schüler aus der Region Heilbronn. In mehrstündigen Kursen erhalten sie von den Sexualpädagogen sexuelle Aufklärung. Fast alle der Schüler bejahen die Frage, 24 Stunden am Tag ins Internet zu können, erzählt Andreas Baur. Dabei geben in vielen Klassen bis zur Hälfte der Mädchen an, schon einmal ungewollt Nacktfotos erhalten haben, weiß Baur von seinen Kolleginnen. „Was das mit der Sexualität der jungen Menschen macht, kann ich natürlich nicht bewerten. Es ist jedoch meistens sehr belastend für die Jugendlichen, solche Bilder geschickt zu bekommen.“

Der Zugang zu Pornos im Internet ist sehr leicht

Die Nacktfotos würden die Kinder und Jugendlichen auf unterschiedliche Weise erhalten, meint der Sexualpädagoge: Meistens über Whatsapp oder Snapchat innerhalb des Freundeskreises, aber auch über andere Wege und von persönlich unbekannten Personen.Ein heikles Thema sei auch der leichte Zugang zu Pornos im Internet. „Die Hürde um an Inhalte zu gelangen, die eigentlich erst ab 18 Jahren erlaubt sind, ist sehr niedrig.“

Wie die Jugendlichen wiederum mit diesem Angebot umgehen, sei vielfältig. „Manche sind nicht daran interessiert und distanzieren sich davon. Bei Anderen besteht ein sehr hohes Interesse.“ Wie diese das Gesehene dann einordnen und was es bei ihnen bewirkt, sei ebenfalls vielfältig, so Baur.

Das Internet kritisch und kompetent nutzen lernen

Eltern sollten deshalb früh mit den Kindern über das Thema Sexualität sprechen. „Junge Menschen brauchen ein fundiertes Wissen, um Internetinhalte selbst einordnen und sich schützen zu können.“ Damit Kinder nicht so leicht auf entsprechende Inhalte kommen, sei ein Kinderschutz-Programm auf Smartphones und dem heimischen Rechner laut Baur sinnvoll.

Mittlerweile existierten bereits sehr viele, gute Angebote in der Medien- und Sexualpädagogik – etwa die Seite Klicksafe.de für Kinder, Eltern und Lehrer. Die Webseite ist eine Initiative der EU-Kommission, um Internetnutzer die kompetente und kritische Nutzung von Internet und Neuen Medien zu vermitteln. Das Mehr an Texten, Bildern und Videos verlange aber eine noch intensivere sexuelle und mediale Aufklärung. „Es ist unglaublich wichtig, dass Menschen, und das jeden Alters, lernen, kompetent mit Informationen umzugehen.“

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