Zu Besuch bei analogen Sexarbeiterinnen in Heilbronn

Was macht das millionenfache Angebot von Pornos, Livechats und Cybersex in der digitalen Welt von heute mit einer Agentur für physischen Sex?

Von Bigna Fink

In der Agentur Sommer, im Gewerbegebiet West von Heilbronn-Böckingen, bekommen Kunden eines der ältesten Gewerbe der Welt geboten: analogen Sex.

Deren Gründerin und Betreiberin – „Nenn mich einfach Nina Sommer“ – bewirbt ihr Geschäft heute nur noch online. Dadurch erreiche sie deutlich mehr Kunden. „Beispielsweise viele Geschäftsleute, die gerade im Hotel in Heilbronn sitzen, die nehmen keine Zeitung, die gehen ins Internet und gucken, wo was ist.“ Selbst ältere, 70-jährige Gäste seien online.

Sexuelle Dienstleisterinnen aus ganz Europa

Die Agentur von Nina Sommer – blonder Kurzhaarschnitt, schwarzen Designerbrille und Mutter zweier erwachsener Kinder – hat eine Homepage. Darin steht ein Wochenplan der verfügbaren Frauen, ein paar Fotos von ihnen, ihre Maße, Angebote und Vorlieben.

Früher habe sie selbst als sexuelle Dienstleisterin gearbeitet, erzählt sie, davor war sie Altenpflegerin.

In der Heilbronner Agentur sind deutschsprachige Sexarbeiterinnen aus ganz Europa für jeweils etwa eine Woche bei Nina Sommer untervermietet, ziehen danach weiter und kommen nach ein paar Monaten wieder. So ein Dienstleistungsunternehmen für käufliche Liebe nennt sich auch Terminwohnung.

Männer von 20 bis 80 Jahren aller Art, Manager, Politiker, Ärzte, Rentner, vereinbaren hier wie bei einem Friseursalon Termine. Oft handelt es sich um Stammgäste, die seit Jahren bei derselben Dame buchen. „Wir haben sehr gute Gäste. Viele kenne ich seit 20 Jahren“, sagt Sommer.

Geschlechtsverkehr mit einer der drei Damen steht natürlich fast immer auf dem Programm des analogen Lustangebots. Aber „oft wollen die Kunden auch einfach die körperliche Nähe spüren, in den Arm genommen werden und jemanden zum Sprechen“, erzählt Nicole*, eine Mitarbeiterin der Agentur. Nicole koordiniert die Termine der Kunden, per Telefon oder E-Mail.

Die Chefin kocht für ihr Mitarbeiterinnen

Nina Sommer lädt im Büro zum Kaffee ein. Es wird geraucht und offen geredet, ab und zu klingelt das Telefon oder die Türglocke. Im Laufe des Gespräch kommen zwei der Damen herein, im Bademantel oder unten nur mit knappem Höschen bekleidet. Sie gesellen sich dazu, zünden sich eine Zigarette an. Lichterketten, Dekofiguren und von Nina Sommer immer wieder neu angebrachte bunte Fototapeten schmücken die Terminwohnung: die drei Schlaf- beziehungsweise Arbeitszimmer, die zwei Aufenthaltsräume, die zwei Badezimmer und den Flur.

Ansonsten habe sich in ihrem Geschäft durch das Internet „nichts großartig verändert“, sagt die Agentur-Chefin. Es gäbe weniger Kunden, ja. Aber den Grund darin sehe sie nicht im Internet, sondern mehr in der allgemein schlechteren wirtschaftlichen Situation der Kunden. Bewertungen über ihre Agentur und die Mitarbeiterinnen lese sie nicht. „Du kannst es nicht verhindern, dass irgendwelche Leute da einen Mist reinschreiben.“ Wenn was ist, wenn es ihnen zum Beispiel besonders gefallen hat, schicken die Gäste mir eine Email oder rufen an.“ Die Chefin hat für die drei Mitarbeiterinnen in ihrer Loftwohnung im 2. Stock gekocht, zwei riesige Hunde, deutsche Doggen, begrüßen die Eintretenden.

„Natürlich hast du manchmal welche dabei, die wollen etwas ausprobieren, was sie in einem Porno gesehen haben. Aber so etwas gibt es schon lange“, sagt Sommer. Mit dem Wunsch, während des Bett-Termins einen Sexfilm laufen zu lassen, kämen die Männer nicht zu ihnen, erzählen die Frauen. „Es geht meistens ums ganz Normale“, sagt Sommer. Und Suzanna*, eine der Damen sagt: „Wir sind Porno genug.“

Als Prostitution wollen Sommer und ihre Mitarbeiterinnen ihre Dienstleistungen nicht bezeichnen. Zu sehr sei das Wort durch die Medien in Verruf. „Wir werden zu oft mit dem Straßenstrich und kriminellen Machenschaften in einen Topf geworden“, meint Nina Sommer. „Wir unterstützen soziale Projekte wie etwa das Frauenhaus. Und wir, die Mädels oder ich als Betreiberin, zahlen genauso wie jeder normale Unternehmer unsere Steuern.“

*Namen von der Redaktion geändert

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